Olivenöl im Ökotest

„Jedes zweite Olivenöl ist stark mit Mineralöl verunreinigt“. Auf diesen Aufhänger bin ich gerade in einem Artikel vom Mai 2019 der Zeitung „Öko-Test“ gestoßen und habe mal die 2,50 € ausgegeben, um ihn vollständig lesen zu dürfen.

Ökotest hat 20 Olivenölen testen lassen. Alle deklariert als native extra (virgen extra). Sowohl „bio“ als auch „konventionell“. Dabei waren Öle vom Discounter bis zum Feinkostgeschäft, von 6,- bis 26,- Euro für den Liter.

Es ist tatsächlich etwas erschreckend, dass 9 der 12 Bio-Olivenöle „stark erhöhte (>2 bis 4mg/kg) “ bis „sehr stark erhöhte (>4mg/kg)“ Gehalte an haben. Bei den konventionellen hatten drei der Öle „sehr stark erhöhte“, vier Öle „stark erhöhte“ und ein Öl einen „erhöhten (>1 bis 2mg/kg)“ Gehalt.

Jetzt wurden gesättigte Kohlenwasserstoffe mit Kettenlängen von C17 bis C35 gemessen und es ist wirklich schwierig, dafür Grenzwerte zu finden. Gesetzliche Vorgaben gibt es scheinbar keine (falls jemand etwas findet, trage ich es gerne nach) und ab wann es gesundheitlich relevant wird, ist auch nicht zu finden. Die European Food Safety Authority (EFSA) hat sie allerdings als potenziell besorgniserregend eingestuft. Auch wurden bei einigen Ölen aromatische Kohlenwasserstoffe aus Mineralöl (MOAH) festgestellt und diese stehen im Verdacht, krebserregend zu sein. Sogar Weichmacher wurden in einigen Proben gefunden.

Als Eintragsquellen steht im Artikel Schmieröl aus dem Einsatz der großen Erntemaschinen der Bauern bzw. der Einsatz von Kettensägen. Bei meinen Recherchen bin ich auch auf den Einsatz von Paraffin gestoßen. Dieses wird im konventionellen Olivenanbau mit den Insektiziden gemischt, damit diese besser auf den Blättern und Früchten haften bleiben. Auch die Umgebungseinflüsse sollen eine Rolle spielen, gerade auch, wenn die Oliven um die halbe Welt bzw. durch Europa transportiert werden.

Der Artikel hat auch viele andere spannende Informationen. So zum Beispiel, dass einige der Öle ranzig und stichig schmecken, weil die Oliven überreif waren oder welche Hersteller falsche Angaben auf den Etiketten machen.

Nur zwei Öle haben am Ende ein „gut“ bekommen, davon war eines im Bereich „sehr gut (harmonisch)“ beim Geschmack. 

Ich möchte mir nicht anmaßen, hier rumzukritisieren und vielleicht können wir es uns irgendwann mal leisten, unser Öl bei einem der Wettbewerbe auf den Prüfstand zu stellen. Da wir jedoch:

  • jeden Ast der 343 Bäume per Hand und Muskelkraft absäge (lang leben die Zugsägen aus Japan 😉
  • keine großen Erntemaschinen einsetzen
  • entschieden haben, dass ein Traktor wenn dann nur einmal alle drei Jahre zum Einbringen eines organischen Düngers in den Boden auf das Grundstück kommt (im Frühjahr)
  • weder Paraffin noch irgendwelche Insektizide auf die Oliven sprühen,

hoffe ich, dass wir ganz gut aufgestellt sind.

Unsere Oliven sind 100% Manzanilla Cacerena und zwischen Ernten & Pressen in der Biomühle liegen nach Möglichkeit nicht mehr als 2 Tage.

Jetzt aber genug der Werbung (bei Interesse könnt ihr uns gerne schreiben).

Wir suchen dieses Jahr noch dringend Erntehelfer!! 

Wir wünschen euch einen schönen Sommer!

img_9014

Bild von heute (20 Juli)

 

Dieser Beitrag wurde unter Oliven, Terra Nueva, Uncategorized abgelegt und mit , , , , , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

5 Antworten zu Olivenöl im Ökotest

  1. Gerd Möhring schreibt:

    Hallo Jan, danke für den sehr interessanten Überblick zum Olivenöl und seinen offensichtlichen Belastungen bevor er im Regal ders Supermarktes erscheint. Ergo: Sichere bitte weiter über Deine Lieferkette die Deckung unseres Bedarfes mit Eurem Öl, wir vertrauen auf Dein / Euer Öl Bisher waren / sind wir alle begeistert von der guten Qualtät. Anerkennung für Eure Leistung / Arbeit. Auf uns als Erntehelfer müßt hr allerdings noch verzichten.
    Herzliche Grüße von der Teufelsmauer

  2. Peter A. Weiss schreibt:

    Hallo Jan,

    Leider wird es immer schwieriger, wirklich verlässliche Informationen zur Qualität von Lebensmitteln zu finden – und auch Ökotest halte ich nicht unbedingt für zuverlässig. Potentielle Quellen für die Verunreinigung mit (z.T. Spuren von) Mineralöl gibt es eine Menge – hoffentlich ist in dieser Hinsicht z.B. auch Eure Mühle gewissenhaft! Um den Eintrag von Ölen in die Natur zur verringern, verwende ich z.B. ausschliesslich pflanzliches Öl zur Schmierung meiner Kettensäge und der Unimog ist trocken.

    Wie dem auch sei, sind wir uns sehr sicher, dass von Euch ein sehr gutes, mit sehr viel Sorgfalt produziertes Öl kommt und wir freuen uns auf die nächste Ernte, die hoffentlich etwas reichlicher ausfällt als die des letzten Jahres. Ob ich es schaffe, zur Ernte nach Spanien zu kommen, weiss ich noch nicht, und wenn, dann vermutlich nicht mit dem Unimog.

    Liebe Grüsse aus dem fast spanisch heissen Kraichgau!

    Ulrike und Peter

    • lizardfriend schreibt:

      Hallo Peter,
      das Labor, welches für Ökotest analysiert hat, wird schon sorgfältig gearbeitet haben. Die Werte dann entsprechend zu interpretieren, ist eine andere Frage. Ein Artikel in einer Öko-Zeitschrift ist ja auch etwas anderes als eine wissenschaftliche Studie. Das Vorhandensein in relevanten Mengen für sich ist allerdings ein schlechtes Aushängeschild für die großen Ölproduzenten. Alles fängt mal wieder bei den Preisen an.
      Die Ankäufer hier in der Gegend zahlen zwischen 0,30 und max. 0,50€ pro Kilo Oliven (je nach Größe, Farbe und ob es ein gutes oder schlechtes Olivenjahr ist).
      Die meisten Bauern hier wollen nur das Meiste aus ihren Bäumen herausholen. Kaum jemand macht eigenes Öl wie wir und schon gar nicht ökologisch. Wenn der Preis für die Oliven niedrig ist, musst du dann mehr Bäume bewirtschaften und diese entsprechend aufpumpen. Das geht dann mit größeren Maschinen, Mittelchen etc.. Hier in der Gegend stehen noch viele alte Bäume (hast du ja gesehen). Mehr im Süden in den großen Darmen werden die Bäume nach zehn Jahren ausgetauscht. Länger macht ein Baum diese Erntemaschinen nicht mit.
      In den Annahmestellen laufen die Oliven über Förderbänder, Rüttler etc., werden sortiert, gereinigt, mit Gabelstaplern transportiert, wieder aufgeladen und nach zu den Mühlen (zum Beispiel in Italien) gefahren/verschifft. Dort wartet dann Herr Bertolli, macht sein italienisches Öl und verkauft es an Herrn Aldi.

  3. RS schreibt:

    Hallo Jan, vor einigen Jahren schon hatte Stiftung Warentest Olivenöle unter der Lupe. U. a. kam dabei heraus, dass das marktführende Bertolli-Öl so schlecht sei, dass es sich nicht einmal mehr Olivenöl nennen dürfte !
    Ein Hoch auf Deine/Eure Arbeit ! Gut, dass es Euch gibt…

    Whyatt (the vaquero) Ralf

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s